Duales Studium

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Duales Studium

Das duale Studienmodell vereint die theoretische Ausbildung an einer Hochschule mit praktischen Erfahrungen in einem Betrieb. Je nach gewähltem Studientyp können die Absolventen neben einem anerkannten Studienabschluss auch Praxiserfahrung oder sogar eine fertige Berufsausbildung vorweisen. Es gibt vier verschiedene duale Studienmodelle, die sich teilweise stark voneinander unterscheiden.

Die vier verschiedenen dualen Studienmodelle im Vergleich

Duale Studiengänge sind sowohl für Schulabgänger ohne Ausbildung als auch für Studenten und Absolventen mit abgeschlossener Berufsausbildung verfügbar. Im zweiten Fall handelt es sich um eine Weiterbildung.

Modell 1: Studium inklusive Ausbildung (ausbildungsintegrierend)

Bei dieser ausbildungsintegrierten Variante absolvieren Schulabgänger ein Bachelorstudium und schließen parallel dazu eine Berufsausbildung in einem Ausbildungsunternehmen ab. Letzteres geht mit der Hochschule eine Partnerschaft ein. Bei dieser Studienvariante besuchen Studierende nicht nur Seminare an einer Universität, sondern auch Kurse an einer Berufsschule. Wer das duale Studium erfolgreich beendet, hat einen akademischen Hochschulabschluss und einen offiziell anerkannten Berufsabschluss.

Modell 2: Studium mit Praxisphasen (praxisintegrierend/ kooperativ)

Im Gegensatz zum ausbildungsintegrierenden Studienmodell bietet diese duale Studienvariante keine fertige Berufsausbildung. Studierende arbeiten in den Praxisphasen als Praktikanten oder Mitarbeiter im Unternehmen, nicht jedoch als Auszubildende. Bei diesem praxisintegrierenden Studienmodell erwerben Studierende Arbeitserfahrung, indem sie während des gesamten Studiums in ein und demselben Betrieb verschiedene Tätigkeiten ausüben. Alternativ absolvieren sie in jedem Semester ein mehrmonatiges Praktikum in einem anderen Unternehmen. Im zweiten Fall sammeln die Studenten in unterschiedlichen Betrieben Praxiserfahrungen.

Modell 3: Berufsintegrierendes Studium für Arbeitnehmer

Dieses Modell spricht Arbeitnehmer an, die sich neben dem Job über einen Studiengang weiterbilden möchten. Es geht darum, die Arbeitszeit zu reduzieren und die entstandenen Zeitfenster für die Weiterbildung zu nutzen. Die Studenten müssen sich mit dem Arbeitgeber zeitlich abstimmen. Einige Anbieter lassen auch Arbeitnehmer ohne Abitur zu den Studiengängen zu. In diesem Bereich steigt das Angebot an Masterstudiengängen.

Modell 4: Berufsbegleitendes Studium für Vollzeitbeschäftigte

Bei dieser dualen Studienvariante studieren Vollzeitbeschäftigte parallel zur Arbeit und können dabei auf die Unterstützung des Arbeitgebers bauen. Das Unternehmen stellt die Studierenden für Anwesenheitsphasen frei oder fördert das Studium durch finanzielle Leistungen. Meist ist dieses Modell als Abend- oder Fernstudium konzipiert.

Vorteile eines dualen Studienmodells

Wer sich für ein duales Studienmodell entscheidet, genießt diese Vorteile:

  • Praxisbezug: Duale Studien gewähren schon während der Ausbildungszeit die Chance, das Berufsleben aus der Praxis kennenzulernen. Studierende, die sich für diese duale Lösung entscheiden, haben im Gegensatz zu anderen Studenten bereits beim Abschluss des Studiums einige praktische Erfahrungen gesammelt. Sie können die theoretischen Lehrinhalte aus der Universität direkt im Ausbildungsbetrieb umsetzen. Diese Kombination bringt Vorteile bei potenziellen Arbeitgebern ein.
  • Doppelter Abschluss (Studium und Berufsausbildung): Ist in den dualen Studien eine Berufsausbildung integriert, halten die Absolventen zwei Abschlüsse in Händen: einen anerkannten Bachelorabschluss und einen Berufsabschluss. Die Anwesenheitszeiten in der Hochschule, der Besuch der Berufsschule und die Arbeit im Unternehmen münden in einen Doppelabschluss. Diese dualen Studien dauern weniger lange, als erst eine Berufausbildung zu absolvieren und dann zu studieren.
  • Gehalt und finanzielle Unterstützung: In den Ausbildungs- und Praxiszeiten bekommen Studierende ein Gehalt, das per Vertrag geregelt ist. Manche Ausbildungsunternehmen finanzieren sogar die Studiengebühren. Dank der finanziellen Unterstützung können Studenten Kosten für Lehrunterlagen, Lebensmittel und Wohnung leichter bestreiten.
  • Gute Chancen auf einen festen Arbeitsplatz: Viele Unternehmen beteiligen sich an dualen Studienmodellen, weil sie vielversprechende Talente zu guten Nachwuchsführungskräften ausbilden und im Betrieb halten möchten. Sie finanzieren die Ausbildung, um die fertigen Absolventen als Beschäftigte des Unternehmens einzustellen. Die Chancen stehen gut, dass Studienabgänger eine Übernahmevereinbarung unterzeichnen und sich damit die Suche nach einem Arbeitsplatz ersparen.

Nachteile eines dualen Studiengangs

Freilich sollten Sie als Studieninteressierter nicht nur die Vorteile, sondern auch die Nachteile eines dualen Studiengangs berücksichtigen, ehe Sie sich entscheiden:

  • Hoher Arbeitsaufwand: Der Studienkalender ist meist dicht gedrängt, weil theoretische Lehreinheiten und Arbeitspraxis unterzubringen sind. Dazwischen müssen die Studierenden Klausuren schreiben und erfolgreich bestehen. Lange Semesterferien gibt es nicht, weil die Studenten in vorlesungsfreien Zeiten arbeiten müssen und ihnen regelmäßig nur 25 bis 30 Urlaubstage zur Verfügung stehen.
  • Starre Strukturen: Der starre Studienplan lässt kaum Zeit, sich in die Materie einzuarbeiten und ein Semester zu wiederholen. Es ist schwierig, das Studienfach zu wechseln oder das Studium abzubrechen. Studienabbrecher müssen mit negativen finanziellen Konsequenzen rechnen, weil sie dem Arbeitgeber regelmäßig die von ihm bezahlten Studiengebühren ersetzen müssen. Manche sehen sich daher gezwungen, das Studium fortzusetzen, obwohl dieser duale Studiengang nicht die richtige Wahl ist.
  • Keine wissenschaftliche Grundausbildung: Bedingt durch den stark ausgeprägten Praxisbezug sind die Themen Wissenschaft und Forschung nicht Schwerpunkt eines dualen Studiengangs. Studenten, die während der Ausbildung ihr Interesse für eine wissenschaftliche Karriere an einer Universität entdecken, tun sich später schwer, in diesem Bereich Fuß zu fassen. Dies gilt auch für Studierende, die ein Doktoratsstudium anstreben.
  • Tätigkeitsbereich eingeschränkt: Bei dualen Studien sind die Tätigkeitsbereiche durch die Arbeitseinsätze im Unternehmen regelmäßig vorgegeben. Anders als bei einem klassischen Studium gibt es hier einen speziellen Schwerpunkt, sodass eine spätere Spezialisierung im Laufe der Ausbildung ausscheidet.
  • Verpflichtende Arbeitsverträge: Üblicherweise unterzeichnen Studierende Arbeitsverträge, die sie dazu verpflichten, für eine gewisse Zeitspanne im Ausbildungsunternehmen zu bleiben. Damit verlieren sie die Möglichkeit, sich in einem anderen Betrieb zu bewerben. Der Berufsweg ist daher zunächst vorgegeben.

Voraussetzungen

Welche Voraussetzungen Sie mitbringen müssen, hängt davon ab, für welchen dualen Studiengang Sie sich entscheiden.

  • Befähigung für das Studium: Die meisten Anbieter verlangen eine abgeschlossene Schulausbildung in Form eines Abiturs. In einigen Fächern sind auch Studierende, die eine fachgebundene Hochschulreife vorweisen, für die duale Studienausbildung zugelassen. Vereinzelt gehört die Fachhochschulreife, das heißt ein Schulbesuch bis zur zwölften Klasse und ein einjähriges Berufspraktikum, zu den Zulassungsvoraussetzungen.
  • Ausbildungsvertrag: Die Studienbewerber müssen sich zudem in einem Unternehmen bewerben und mit demselben einen Ausbildungsvertrag abschließen. Sie sollten sich zeitgerecht um einen Ausbildungsplatz umsehen, um den dualen Studiengang absolvieren zu können.
  • Persönliche Voraussetzungen: Die Doppelbelastung von Lernen für Prüfungen und Arbeiten im Unternehmen setzt eine Portion Ehrgeiz und Leistungsbereitschaft voraus. Da sich während des dualen Studiengangs die arbeits- und lernfreien Phasen auf einige Urlaubstage beschränken, ist ein gutes Zeitmanagement gefragt.

Wichtige Informationen zum dualen Studiengang

Studiendauer

Duale Studien nehmen regelmäßig zwischen drei und fünf Jahren in Anspruch. Studiengänge, die eine abgeschlossene Berufsausbildung beinhalten (ausbildungsintegrierend), dauern länger als Angebote mit bloßen Praxisphasen (praxisintegrierend). In welchen Zeitspannen Lehreinheiten und Arbeitszeiten einander ablösen, variiert je nach Hochschule und Unternehmen.

Bachelorarbeit: Thema mit Praxisbezug

Wenn Sie einen dualen Studiengang belegen, profitieren Sie von Ihren Arbeitserfahrungen auch bei der Abschlussarbeit. Sie können für Ihr duales Studium ein Thema mit Praxisbezug wählen und beim Studentendruckportal Ihre Bachelorarbeit binden lassen.

Titel: Bachelor oder Master

Die Absolventen dualer Studienprogramme erwerben akademische Grade wie Bachelor of Arts (zum Beispiel Betriebswirtschaftslehre, Medien, Soziales, Hotelmanagement), Bachelor of Science (beispielsweise Wirtschaft, Informatik) oder Bachelor of Engineering (Technik). In einigen Fachbereichen gibt es auch Masterstudiengänge mit dualer Ausrichtung, die mit dem Master of Science abschließen.

Studienanbieter

Den Ursprung hat dieses duale Studienmodell in den Berufsakademien der 1970er-Jahre. Die Absolventen haben diese Ausbildung zunächst mit einem Diplom-BA abgeschlossen. Inzwischen bieten die meisten Berufsakademien (BA) Bachelorstudiengänge an. Diese Studienakademien wurden in einigen deutschen Bundesländern, darunter Baden-Württemberg und Thüringen, in duale Hochschulen (DH) umfunktioniert. Studieninteressierte können hauptsächlich an Berufsakademien und Fachhochschulen duale Studiengänge mit Bachelorabschluss absolvieren. Des Weiteren bieten einige Universitäten in Kooperation mit Unternehmen kombinierte Studienmodelle mit Theorie und Praxis an. Einige bekannte Anbieter sind:

  • Duale Hochschule Baden-Württemberg
  • IUBH Internationale Hochschule
  • FOM Hochschule
  • iba – Internationale Berufsakademie

Fachrichtungen

Studenten können duale Studiengänge in den unterschiedlichsten Fachrichtungen belegen, allen voran in Betriebswirtschaft und Technik.

  • Technik: Die Ausbildung zu technischen Berufen setzt neben einem fundierten theoretischen Wissen die Vermittlung praktischer Kenntnisse und Fertigkeiten voraus. Duale Studienprogramme gibt es insbesondere in den Bereichen Bauingenieurwesen, Elektrotechnik, Mechatronik, Agrartechnik, Holztechnik, Maschinenbau, Luft- und Raumfahrtechnik.
  • Wirtschaft: In den Bereichen Betriebswirtschaft und Wirtschaft ist das Angebot an dualen Studiengängen groß. Die Bandbreite reicht vom klassischen Bachelor in Betriebswirtschaft über den Bereich Business Administration bis zu Wirtschaftsingenieurwesen und Wirtschaftspsychologie.
  • Informatik: Computeraffine Studenten können Tätigkeitsbilder in den Bereichen Informatik und Wirtschaftsinformatik im Wege einer dualen Ausbildung erlernen.
  • Soziales: Im Bereich Soziales und Gesundheit stehen praxisorientierten Studenten die duale Studienangebote in Sozialer Arbeit, Gesundheitsmanagement, Psychologie, Gesundheitspsychologie und Sozialmanagement offen.
  • Management: Besonders vielfältig sind die Angebote im Bereich Management, der die unterschiedlichsten Sparten abdeckt. Hier erlauben die dualen Studienprogramme unter anderem Spezialisierungen in Handelsmanagement, Industriemanagement sowie Hotel- und Tourismusmanagement. Zudem gibt es duale Bachelorprogramme für General Management, Logistikmanagement und Sportmanagement.
  • Medien und Kommunikation: Die Medienbranche ist unter anderem mit einem Bachelor in Medien- und Kommunikationsmanagement sowie Mediendesign vertreten.

Im Gegensatz dazu gibt es in den Fachbereichen Naturwissenschaften, Kunst und Geisteswissenschaften keine Angebote für eine duale Ausbildung mit Theorie und Praxis. Wenn Sie sich einen Überblick verschaffen möchten, hilft Ihnen eine

Auflistung über duale Studienprogramme weiter.

Fazit

Als Schulabgänger, Absolvent und Arbeitnehmer können Sie einen dualen Studiengang absolvieren und damit Theorie und Praxis miteinander verbinden. Egal welches duale Studienprogramm Sie wählen, um den Bachelor abzuschließen und Arbeitserfahrungen zu sammeln, Sie müssen jedenfalls eine Abschlussarbeit schreiben. Wenn Sie in Betriebswirtschaftslehre, Technik, Soziales, Medienmanagement, Tourismus oder einer anderen Fachrichtung ihr duales Studium abschließen, können Sie beim Studentendruckportal.de Ihre Bachelorarbeit binden und drucken lassen.

Darf’s ein bisschen mehr sein? Das Duale Studium im Trend

Studium oder Ausbildung? Theorie oder Praxis? Das Duale Studium schlägt beide Fliegen mit einer Klappe und ist deshalb aktuell eine der begehrtesten Studienformen in Deutschland. Auch, wenn sich bislang erst knapp vier Prozent der Abiturienten dafür entscheiden.

Abschlussarbeit oder lieber nicht akademische Arbeit?

Ausbildung? Ach nö! Immer mehr Schulabgänger wagen den Schritt in den Hörsaal, anstatt eine Ausbildung zu beginnen. Das ist zwar schön und lobenswert, andererseits fragt man sich natürlich, was auf Dauer mit den Jobs passiert, für die kein akademischer Titel benötigt wird: Bäcker oder Maurer zum Beispiel. Sterben die bald aus? Gibt es nur noch überqualifizierte Arbeitskräfte?

Abhilfe soll hier das Duale Studium schaffen. Es kombiniert praktisch eine Lehre mit einem Studium und lockt sowohl mit einem akademischen als auch einem beruflichen Abschluss. Und frühzeitiger Praxiserfahrung natürlich. Der Part, der in einem normalen Studium meist viel zu kurz kommt.

Gewechselt wird immer im Drei-Monats-Rhythmus. Semesterferien gibt es dabei nicht wirklich, nur ein paar Wochen Urlaub im Jahr. Fast wie im richtigen Berufsleben also.

Praxisbezug? Unschlagbar!

Die Anzahl der Fächer, die dual studiert werden können, steigt stetig an. Vor allem in den Wirtschafts- und Ingenieurswissenschaften. Ein duales Studium ist aber kein Zuckerschlecken, sondern fordert vollen Einsatz. Nach der Arbeit hat ein dual Studierender nicht gleich Feierabend. Er muss lernen, Semesterarbeiten und natürlich auch seine Abschlussarbeit schreiben. Das Pensum ist straff. Dennoch schaffen fast 90 Prozent ihren Abschluss und sorgen damit natürlich für einen weiteren Aufschwung des „hybriden Studienformates“.

Was jetzt noch fehlt, ist Einheitlichkeit. Denn die Voraussetzungen und der Aufbau des Dualen Studiums sind derzeit von Bundesland zu Bundesland noch viel zu unterschiedlich.